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Prolog

Dies ist also mein erster Eintrag in dieses "elektronische Tagebuch". Da ich sonst nicht die Gewohnheit habe Tagebuch zu fuehren, bin ich mal gespannt wie sich meine Neigung und Zeiteinteilung hinsichtlich der Pflege dieses Forums entwickeln wird und wie dieser Blog genutzt werden wird. Wie so haeufig neige ich auch hinsichtlich des "bloggens" nicht zu unausgeglichener Euphorie, dennoch glaube ich dass sich dieser Blog zu einem schoenen Forum entwicklen kann, in welchem ich von meinen/ unseren Erlebnissen in Abu Dhabi berichten kann. Vielleicht regt der eine oder andere Beitrag ja auch zu Kommentaren ein - welche herzlich wilkommen sind.

Und damit waere auch schon gesagt wozu dieser Blog dienen soll: Neues, Erwartetes, Ueberraschendes und Alltaegliches unseres

Go(ne) Middle East

5.9.06 08:00


relativ einfache Villa

Noch vor wenigen Minuten war ich in unserer "Villa". Dort traf ich mich mit der Maklerin und dem Verwalter des Landlords, welcher mir die Schluessel zu unserem neuen Zuhause uebergab. Endlich Hausherr einer Villa  Nun ja, wie schon mehrfach erwaehnt redet man hier auch bei einfachen Einfamilienhaeusern von "Villen". Wobei "einfach" bei Wohn-/Esszimmer, Masterbedroom, 2 Kinderzimmern, Gaestezimmer, Arbeitszimmer/ Bibliothek, 3 Baedern, Kueche, Laundary-Room auch wieder relativ und mit Sicherheit mehr ist, als wir bisher gewohnt waren. Dabei hatte ich die ca 5x7m Dachterasse noch gar nicht erwaehnt. Die Wahrheit liegt also wohl irgendwo zwischen "einfach" und "Villa".

Dort war ich also heute, Raeume ausmessen (die Frage nach einem Gundriss ist in diesen Breiten ziemlich ueberfluessig) und ganz allgemein den Zustand nach der Renovierung begutachten. Und was soll ich sagen; in Deutschland wuerde niemand eine solche Arbeit abgeben:

  • die Waende sehen aus, als ob sie von leicht angetrunkenen Studenten gestrichen worden waeren
  • "gereinigt" oder gar "geputzt" hiese bei uns etwas anderes. Dreckig war es nicht gerade, aber eben bestenfalls "besenrein" - weniger als ich von eine Reinigungsfirma erwarten wuerde
  • die Lichtschalter, Steckdosen u.ae. waren z.T. sehr windschief angebracht und befinden sich ueblicherweise an sehr ungeschickten Stellen
  • etc etc etc

Ich weiss nicht wirklich, ob ich was anderes erwartet habe, ob ich mich einfach Vorurteilen verfange, wenn ich sage so sei das eben hier, ob ich mich eben daran gewoehnen muss und nichts anderes erwarten hatte. Jedenfalls hatte es meinen ersten Enthusiasmus als Villabewohner ziemlich gebremst.

Insgesamt fuehrt mich dieses Erlebnis aber zu weiteren Ueberlegungen: Ist es wirklich so, dass die hiesige Gesellschaft eine Komplexitaetsreduzierung per se unterstuetzt? (Araber sind stolz und reich, Europaer und Nordamerikaner sind gut gebildet und arbeiten gewissenhaft und nach vorhersehbaren Regeln, Pakistani und Afgahnen sind Taxifahrer, Vietnamessinen und Malayinnen sind Kellnerinnen) Oder sind diese Vereinfachungen Reaktionen auf die Konfrontation mit einer fremdem Umgebung, einer fremdem Kultur welche fuer die naechsten paar Jahre mein Zuhause sein wird?

So verbringe ich also meine erste Nacht als Hausherr einer Villa mit den Schluesseln unterm Kopfkissen und bildungsbuergerlich-philosophischen Gedanken in meinen Traeumen. Aaaah, eine Wasserpfeife auf der Dachterasse. Dazu vielleicht ein Glas Wein. Das Rauschen der Klimaanlagen im Hintergrund ... 

5.9.06 08:01


Mobil in Abu Dhabi

Lange 15 Minuten stehe ich nun schon am Strassenrand. Keine der Taxen haelt an um mich mitzunehmen. Der Wind bringt heute einiges an Wuestensand mit in die Stadt. Zum Glueck muss man fast sagen. IN der prallen Sonne waere die viertel Stunde, die ich nun schon warte, nicht auszuhalten gewesen. So verdeckt der Staub und Sand in der Luft die Sonne. Zusammen mit dem Wind sorgt das fuer ertraegliche Temperaturen. Noch vor kanp einer halben Woche, also noch waehrend der Ferien hier, war es ueberhaupt kein Problem nach der Arbeit eines dieser billigen Taxis zu stoppen und fuer ein paar Cent zurueck in das Hotel gefahren zu werden. Ich wunderte mich noch darueber warum auch meine alleinstehenden Kollegen ein Auto haben. Immer war irgendwo ein Taxi zu finden - und die snd billig, billig, billig. Gut, mit Familie sind diese Taxen nicht unbedingt zu empfehlen: TUEV-geprueft sind sie vermutlich nicht und gegen die Fahrweise so mancher Chauffeure war ich auch schon frueher geradezu harmlos. Daher war es schon bald klar, dass ich sobald Frau und Kinder wieder hierher kommen, ein eigenes Auto organisieren werde.

Aber fuer mich alleine, warum? Sich abends nach dem Buero in ein Auto zu setzen, welches den ganzen Tag in der Sonne bruetete, war nicht gerade eine verlockende Vorstellung. 15 Minuten im innerstaedtischen Sand-Staub-Sturm zu stehen und zu warten ist allerdings auch ein gutes Argument fuer ein eigenes Auto. Zugegebn, die Verknappung der Taxen kuendigte sich schon letzte Woche an, als die amerkanischen Schulen wieder angefangen hatte. Aber ich wollte die Vorzeichen ja nicht sehen und luemmelte mich lieber bequem auf die Rueckbank eines Taxis, zog die Sonnenbrille tief ins Gesicht und lies die kuenstlich bewaesserten Palmen auf der Fahrt "nach Hause" an mir vorbeiziehen.  Nun haben auch die lokalen, die deutsche, die britische, die franzoesische und die indischen Schulen wieder angefangen. Und es wird Zeit fuer einen eigenen Wagen.
5.9.06 19:31


The Club

„Ja das sind Papas Schuhe“, „Nein es sind nicht Deine.“ „Oh ja, Du kannst toll darin laufen und“ -  „NEIN! Werf sie nicht in den“ – Platsch –   „Ja Papas Badelatschen schwimmen, zumindest fuer ein paar Augenblicke“. Schoen zu beobachten wie andere Kinder mit ihren Vatern und Muetter die gleichen Spielchen spielen, wie Sunny mit mir. Doch zugleich etwas schmerzend, denn die beste Ehefrau von allen, Sunny und die Prinzessin sind nicht hier . Nicht hier in "The Club", formerly known as "The British Club". Heute Mittag hat es allerdings eher den Anschein, es sei sagen wir der Schlossgarten Karlsruhes oder der Luisenpark in Mannheim: Junge Familien unterhalten sich angeregt zumeist in Deutsch, manchmal auch in Englisch dazwischen ein paar wenige Italienische, Franzoesische oder Arabische Wortfetzen.
 
Als Nicht-Mitglied war ich heute Morgen Gast meines Kollegen und dessen Frau. Nach dem reichhaltigen Fruehstueck am Pool, verabschiedeten sich diese, da er heute noch zu einer Dienstreise aufbrechen muss. Ich dagegen konnte noch ein wenig die Sonne, das Wasser (alternativ im Pool oder im Meer) und das kuehle Bier geniesen . Und so fuehlt es sich hier fast an, wie auf einer meiner Dienstreisen: Viel Arbeit in irgendwelchen Bueros, die ueberall auf der Welt gleich aussehen, unter der Woche; am Wochenende aber entspannt am Pool liegen und Cocktails schluerfen. So viele Kinder wie hier hatte ich aber dabei bisher noch nicht zur Gesellschaft. So schmerzt es mich mehr als sonst, dass ich meine Eindruecke nicht mit der Familie teilen kann – doch freut es mich um so mehr, dass wir dieses Setting bald jedes Wochenende haben koennen (sofern ich nicht irgendwo auf der Welt auf Dienstreise bin ...)
9.9.06 21:23


Abschied

Heute war also der grosse Tag: Moebel verpackt, Container beladen, Wohnung ausgeraeumt. Die beste Ehefrau von allen musste das alles alleine organisieren und dochstehen - und sie hat es gemeistert. Bald sitzt sie sowie Sunny und die Prinzessin im Flieger und kommen zu mir ;-) Und obwohl ich relativ weit weg bin von dem Geschehen, so ist es doch ein komische Gefuehl. Es wird ernst - doch etwas mehr als eine gewoehnliche Dienstreise. Aufregend und spanned, aber auch wehmuetig ist es mir zumute. Nun da die Zelte in Deutschland abgebrochen sind, beginne ich euch zu vermissen. Ja, auch schon die Tage und Wochen zuvor habe ich manches mal mit Sehnsucht an euch gedacht. Doch so wie ich eben auch waehrend einer Dienstreise and meine Freunde und Familie denke: Dieser Sonnenuntergang koennte meiner Schwester gefallen, jenes Lokal wuerde den ein oder anderen von euch begeistern ... Jetzt geht es also richtig los, unser Abenteuer Abu Dhabi: Welcome abroad, tschuess MwSt-Erhoehung, Ade Kehrwoche; auf Wiedersehen Bergbach, bye bye Rebenhain; seid gegruesst Shisha, Datteln, Wuestennacht. Stay tuned! Don't be a stranger!
15.9.06 21:52


Zelte

Ich kann's noch nicht wirklich glauben. Die Zelte in Deutschland sind nun endgueltig abgebrochen. Das naechste mal kommen wir nicht als Buerger, sondern als Gaeste nach Deuschland.

Ich dachte eingentlich, ich waere gut vorbereitet auf den Umzug. Als die aber ankamen und loslegten war alles anders. Um 7.50h laeutet es. Ich denke, boah, sind die puenktlich. Aber nein, es war die Oma, die Bjarne abholt. Bis das Auto beladen ist mit all den Sachen, die sie noch mitnehmen moechte ist fast eine Stunde rum. Dann fahren sie los.Ich winke zum Abschied und bin froh, das er gut untergebracht ist und mir nicht zwischen den Fuessen rumlaeuft.

Ich muss noch Geschirr spuelen, Koffer packen, die letzten Handtuecher waschen, Ylva fuettern, hab ich an alles gedacht, was noch in den Koffer muss? Nein, hier ist noch was, dort liegt noch was, oh man ... das hab ich auch vergessen...ups es laeutet...schon?...jetzt wirds ernst...Lageplan besprechen...Ylva ferig fuettern... ja bitte?...nein, das bleibt da...stop, das muss mit...Froesche, ja, ein schoenes Hobby...ihr meint das passt alles?...bin gespannt...welche Pizza fuer wen?...ich hol mal die Pizza ab...mein rechtes Auge tut weh... wie es wird knapp, ihr habt doch gesagt, das passt alles... ich weiss nicht, was ich noch da lassen soll, wir haben schon alles ausgemistet...B. hat gesagt etwas in der Groesse des Kuechenschrankes, es ist schon viel mehr da geblieben...mein rechtes Auge tut weh...nein, ich seh nicht ein noch mehr zu bezahlen, wenn ihr falsche Auskuenfte gebt...David anrufen...Firma anrufen...David ruft Firma an...Firma ruft mich an...ich ruf David an...mein rechtes Auge tut weh...ich muss jetz erst mal die Linsen rausnehmen...ok, schaut was ihr in den Container bekommt, lasst evtl. das Sofa draussen...hier noch Geld fuer ein Bier...Tschuesss......

Atmen!

Ylva, das geduldigste Kind von Welt einpacken und ab nach Eisingen zu Oma und Bjarne. Wenn nur das rechte Auge nicht so weh taete. Die Fahrt ist ein Abenteuer. Ab und zu seh ich nicht sehr viel, weil das rechte Auge so traent.

Bjarne freut sich mich zu sehen, ist aber doch very bussy. spielen, Zaehne putzten, umziehen fuer die Nacht,singen, erst mit Oma, dann mit Mama. Es ist 9.45pm als er endlich die Augen schliesst. So, jetzt Ylva umziehen, stillen und ab ins Bett.

Endlich schlafen. Das rechte Auge traent. Ich falle in einen unruhigen Schlaf. Mist, das Liederbuch von Ingeborg vergessen in den Koffer zu tun. Wo ist der Fotoapparat? Mist in einer Umzugskiste. Oh, was wird David dazu sagen. Der reisst mir den Kopf ab. Ich hab vergessen den Umzug zu dokumentieren, wie eigentlich abgesprochen. Ylva regt sich. Jetzt schon? Ich will doch schlafen. Komm Ylva, noch ein Stuendchen...

19.9.06 11:47


Benzin

Das Benzin hier billiger sein wuerde als in Good Old Germany war ja schon klar. Doch die heutige Zeitungsmeldung hat mich schon ueberrascht: Der lokale, staatseigene Benzinstellenkonzern fuehrt naechsten Monat jetzt neben Super und SuperPlus auch Normal-Benzin ein, weil das ja billiger waere. Nachzulesen bei http://www.gulfnews.com/business/Automobiles/10070167.html. Waerend in Europa das Benzin immer teurer wird, fuehren die Oelkonzerne Premiumprodukte mit 100 Oktan ein; im Mittleren Osten aber fuehren die Oelkonzerne Economy-Produkte ein, um das benzin billiger zu machen. Verrueckte Welt. Nur mal zum Verstaendniss die heisigen Benzinpreise (per aktuellem Wechselkurs):

SuperPlus: 0,381 Euro/ Liter

Super: 0,353 Euro/ Liter

und in Zukunft Normal: 0,305 Euro/ Liter

d.h. wenn ich meinen 70l Tank nicht mehr mit SuperPlus, sondern mit Normal betanke spare ich doch ca. 5,50 Euro. Gut andererseits entspricht dass zweieinhalb Hand-Autowaeschen oder 5 Taxi-Fahrten ins Buero - sollte man sich doch ueberlegen ...

26.9.06 07:29


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